Bremen ist nicht die Welt, aber …

… trotzdem immer wieder einen Blick wert, selbst wenn mal nicht gewählt wird. Das passiert in Bremen bekanntlich noch ziemlich oft – alle vier Jahre – hingegen zum Rest der Bundesländer und Stadtstaaten. Dass sich Bremen so eine Rhythmus leisten kann, mag erstaunen, ist aber nur eine Randepisode einer Stadt, die viel tiefgreifendere Probleme zu bewältigen hat.

Bremer Stadtmusikanten (Harald Schottner  / pixelio.de)

Bremer Stadtmusikanten (Harald Schottner / pixelio.de)

Wie ist die Kluft zwischen arm und reich, die besonders die Kinder der Stadt zu spüren bekommen, wieder in vernünftige Bahnen zu leiten? Nirgendwo ist Armut mehr zu spüren als bei jungen Familien, die dem Nachwuchs keine Perspektiven bieten können. Not hier zieht eine schlechte Bildungsquote nach sich. Auch auf die Flüchtlingsproblematik hat die Stadt Bremen noch keine passenden Antworten gefunden. Armut, Arbeitslosigkeit und die Angst vor sozialem Abstieg schaffen ein Klima, das es Protestbewegungen wie AfD, Bürgern in Wut und weiteren leicht macht, am rechten Rand auf Stimmenfang zu gehen. Auch wenn die Zahlen zum jetzigen Zeitpunkt noch immer nicht amtlich sind – das Spektrum rechtskonservativer Parteien ist mit einem Stimmenzuwachs ausgestattet worden.

Die SPD verliert, die CDU stagniert, die Grünen müssen eine besonders herbe Niederlage hinnehmen, FDP und Linke gewinnen zum Teil deutlich. Jens Böhrnsen zieht am Tag nach der Wahl sofort die Konsequenzen aus dem Debakel der Partei und tritt nicht erneut das Amt des Bürgermeisters der Stadt an. Ein richtiger Schritt, hat man ihm doch zugetraut, die SPD stabil am Ruder zu halten. Schlimmer als der Rückzug des ersten Mannes der Stadt ist hingegen aber die niedrige Wahlbeteiligung. Nur jeder zweite Wahlberechtige hat sich auch an die Urne begeben, was Rückschlüsse auf Unzufriedenheit, Politikmüdigkeit und eine Ablehnung des Parteiensystems vermuten lässt.

Bremen wird trotzdem weiter leben – die Weser fließt sanft, leicht, ruhig und gewissenhaft gen Nordsee. Der Bremer lässt sich ungern aus der Ruhe bringen. Doch vieles, was den Bremern heute beginnt weh zu tun, wird in einigen Jahren tiefe Wunden verursachen und einige Narben hinterlassen.

Christian Helfricht

Einmal mit den Johannitern auf Tour gehen …

Titel ReisekatalogDiesmal Werbung in eigener Sache: Seit geraumer Zeit verantworte ich den Johanniter-Reisedienst in Südbrandenburg, genauer in Cottbus. Ein neues Angebot, das ich komplett eigenverantwortlich entwickeln konnte. Aus Liebe zum Leben, so das Motto der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. – in Cottbus sind die Johanniter bis dato in vielen Bereichén engagiert – Fahrdienst, Hausnotruf, Kinderkrankenpflege, Hospiz, etc., in Situation, wo Wärme und praktische Hilfe notwendig wird.

Mit den Johannitern auf Tour zu gehen, heißt sicher und gut betreut zu reisen. Tagesausflüge und Mehrtagesreisen also, die allesamt mit einer Johanniter-Reisebegleitung durchgeführt werden, in eigenen Reisebussen und in die schönsten Ecken der Region und darüber hinaus führen. Ein eigener kleiner Reisekatalog ist dabei entstanden – einfach, individuell und ehrlich. Wer mal drin stöbern möchte, der schaue hier vorbei: Johanniter-Reisedienst

Christian Helfricht

Die Königsbrücker Heide entdecken

Da wo Sachsen schon bald zu Ende ist, befindet sich einer der interessantesten Landschaftsstreifen des ganzen Freistaats – das Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide. Zwischen Ortrand im Nordwesten, Schwepnitz im Osten und Königsbrück im Süden liegt ein Naturgebiet von besonderer Güte, dessen Schutzzweck wie folgt beschrieben wird:Natur

Erhaltung, Sicherung und Entwicklung des über regional bedeutsamen Gebietes auf Grund seiner Seltenheit, besonderen Eigenart und herausragenden Bedeutung als großräumiger, weitgehend unzerschnittener, vielfältiger und artenreicher Naturkomplex im Übergang vom Mittelgebirgsvorland zum Altmoränengebiet. Das Ziel ist die Sicherung ausgedehnter Sukzessionsflächen, auch als großräumiges Rückzugsgebiet für Arten mit hohem Flächenbedarf und besonderer Störungsempfindlichkeit. Gleichzeitig sollen bedeutende Feuchtgebiete, aber auch trockenes Offenland und Heiden erhalten und entwickelt werden.
(aus: „Naturschutzgebiete in Sachsen“, Hrsg. vom Sächs. Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, 2010, S. 132)Bachlauf

Das Naturschutzgebiet beherbergt das einzige nach IUCN-Norm zerfitizierte Wildnisgebiet (Ib) Deutschlands und gehört zum europäischen Netzwerk Natura 2000 (als Instrument im Fauna-Flora-Habitat), das im Bundesnaturschutzgesetz verankert ist, und ein europaweites ökologisches Netz darstellt, das die biologische Vielfalt erhalten soll. In der Rechtsverordnung von 1996 (mit einigen, wichtigen Nachträgen) wird die Königsbrücker Heide als Schutzgebiet festgeschrieben und deren Nutzung für den Menschen festgelegt. Insofern ist die Königsbrücker Heide in drei Schutzzonen unterteilt:

Naturentwicklungszone – keine Bewirtschaftungs- und Pflegemaßnahmen, natürliche Prozesse sollen zu sogennanter Wildnis führen
Zone der gelenkten Sukzession – weitesgehend kein Eingriff, außer wenn Maßnahmen vorgenommen werden müssen, um die militärische Nutzung der vergangenen Jahrzehnte zu beseitigen
Pflegezone – hier wird der Wald umgebaut (Kiefernforst in Mischwälder), Jagd ausgeübt, bewirtschaftet

Und auch einen alten Bekannten treffen wir in der Königsbrücker Heide wieder – den alten Chef deSperrgebietr Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz, Dr. Jürgen Stein. Der promovierte Forstwirt wurde Ende 2010 als Nationalparkchef im Zwist abberufen und durch Dietrich Butter ersetzt. Seit Ende 2012 führt der streitbare Naturschützer die Verwaltung in der Weißbacher Straße in Königsbrück. In der Öffentlichkeit ist die Königsbrücker Heide nur durch wenige, vor allem die ehemalige militärische Nutzung bedingte Themen bekannt. Was es kritisch zu beäugen gibt, worin deren besonderer Reiz liegt und was sie für die Natur in unseren Breiten bedeutet, möchte ich in nächster Zeit kritisch begleiten (und deren Wander- und Radfahrpotential vorstellen).

Allen, die Interesse haben, sei noch eine kurzfristige Veranstaltung empfohlen, die heute Abend im NSG-Besucherzentrum stattfindet: Um Wildnisgebiete und Naturentwicklung soll es bei einem Vortrag von Friedemann Klenke vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie gehen, Beginn 19 Uhr.

Christian Helfricht

Kurztour in Hinterhermsdorf

An einem der ersten, schönen Herbsttage lohnt es sich besonders, mal wieder die Sächsische Schweiz zu besuchen. Im hinstersten Winkel, den man wegen der Sperrung des Kirnitzschtals nur über Ottendorf erreicht, ist man auf abseits gelegenen Wegen selbst bei bestem Wetter ganz allein unterwegs.

Wir starten an der Buchenparkhalle, wandern Richtung Obere Schleuse, weiter oberhalb der Kirnitzsch entlang, wagen ein paar Abstecher zur Dieskau-Tafel am ehemaligen Kerbensteig, die Wolfsschlucht hinab und den Rotkehlweg wieder hinauf. Schnell hat man den Ausgangspunkt der Tour wieder erreicht. Interessant dabei: die lange gesperrte Rotkehle, die eine exzellente Verbindung zwischen Kirnitzsch und Janslochweg darstellt, wurde von engagierten Wanderfreunden wieder freigeschnitten. Die Nationalparkverwaltung hatte sich lange Zeit gegen die Interessen der Wanderer und Bergsteiger gestellt und musste nun doch nachgeben. Ein Glück für alle, die sich frei in der Natur bewegen wollen.

An der Kirnitzsch

An der Kirnitzsch

Boviste überall

Boviste überall

Maj. v. Dieskau-Tafel

Maj. v. Dieskau-Tafel

Endlich wieder frei - die Rotkehle

Endlich wieder frei – die Rotkehle

Alte Spuren am Wegesrand der Rotkehle

Alte Spuren am Wegesrand der Rotkehle

Aus Senftenberg grüßt
Christian

Auf Kurs – Brandenburg bleibt rot

Dietmar Woidke macht klar Schiff – Brandenburg soll weiter tiefrot regiert werden. Da der amtierende Ministerpräsident des Flächenlandes in der CDU keinen verlässlichen Koalitionspartner sieht, wird weiter gemacht, wo vor der Wahl aufgehört wurde – Linke und SPD werden Koalitionsverhandlungen aufnehmen, wenn die Fraktion der Empfehlung des Ministerpräsidenten folgt.

Damit setzt sich fort, was das Land in den letzten Jahren mehr als nur voran gebracht hat. Brandenburg ist unter rot-roter Flagge zum Vorreiter der ostdeutschen Bundesländer geworden was wirtschaftliche Entwicklung und sinkende Arbeitslosenquote anbelangt. Es gibt Ecken im Bundesland, wo fast Vollbeschäftigung herrscht. Um Potsdam rum sucht man schon händeringend nach Fachkräften. Und die Kinderbetreuung ist in guten Händen – Kita-Quote und die Ausgaben für die frühkindliche Bildung sprechen da für sich. Klar, nicht alles glänzt. Die Erfolge der AfD sprechen für sich und greifen ein Problem auf, das auch die rot-rote Regierung bis dato nicht lösen konnte: die Angst der Menschen in den Grenzgebieten (die oft mehr eingebildet, denn wirklich vorhanden ist). Und auch die Energiefrage ist ungelöst. Wann kommt der Ausstieg aus der Braunkohle nun wirklich?

Doch Brandenburg steht insgesamt gut da. Seit 2011 werden keine neuen Schulden aufgenommen; die Zahl der Touristen steigt ständig; das Schüler-Bafög ist ein voller Erfolg. Vieles spricht dafür, dass SPD und Linke da weiter arbeiten sollten, wo sie aufgehört haben. Und Dietmar Woidke hat das Vertrauen der Brandenburger zugesprochen bekommen. Seine Entscheidung für rot-rot ist folgerichtig.

Aus Senftenberg grüßt
Christian